Mama, bleib doch mal ruhig!

Mein neunzehn jähriges, männliches Ich entschied sich vor einem Jahr auszuziehen. In eine EIGENE Wohnung. Warum das „EIGENE“ großgeschrieben ist? Es ist der Horror. Nicht für mich, denn ich bin zufrieden mit meiner 2-Zimmer Wohnung, direkt im Stadtzentrum, nicht weit von der Uni.

Aber meine Mutter kommt absolut gar nicht damit klar. Ich bin schließlich ihr einziger Sohn, den sie als letztes von drei Kindern aus sich herausgepresst hat. So lauten zumindest immer ihre Worte, wenn sie mich jeden Tag ungefähr dreimal anruft, um zu fragen, ob es mir gut geht. Schließlich könnte ich ja verhungern oder gekidnappt werden. „Die ganzen Übeltäter treiben sich in der Stadt herum und haben es auf junge, gutaussehende Männer, wie dich abgesehen.“ … Ich sollte jetzt aufhören Mama zu zitieren.

Im Sommer erreichte dieses Drama seinen Höhepunkt. Ich war mit einem Kumpel auf dem Sputnik Spring Break Festival. Hatte meiner Mutter auch eine Mailbox-Nachricht hinterlassen, dass ich über das Wochenende wegfahre. Zugegeben, wir sind schon am Dienstag dahin gefahren, um das Campen mit unseren Freunden zu genießen, bis es am Freitag dann richtig los ging.

Doch wie es so ist, kann die ältere Generation nicht wirklich mit Technik umgehen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass meine Mutter die Nachricht sogar gelöscht hatte.

Wer schonmal auf einem Festival war, weiß, dass du so gut wie nie Netz hast bei der großen Menschenmenge. Außerdem waren wir bei vielen Acts, wie Fritz Kalkbrenner, Marteria oder Steve Aoki. Da habe ich natürlich nicht an meine Mutter gedacht.

Nach dem Festival, auf dem Weg nach Hause und endlich wieder mit Empfang, zeigte mein Handy 23 verpasste Anrufe und 9 Nachrichten von meiner Mutter an. Ist das zu glauben? So wurde diese Story zu einem riesengroßen Drama, welches die Runde machte. Mein Kumpel lockerte diese für mich stressige Situation auf. Und zwar mit den umwerfenden Festivalstickern „Keine Sorge, Mama. Mir geht´s gut.“ Das passte total gut und alle, die meine Geschichte nun kannten, machten mit. War ziemlich lustig!

Als ich nach dem Wochenende wieder zu Hause war, besuchte ich als erstes meine Mutter. Ich hatte ihr eine Postkarte unterwegs besorgt, und darauf klebte der Sticker.

Also alles gut und kein Ding, Mama. (Sie musste selbst lachen.)

 

- Martin F. aus Kassel

Tags: Festival, Freunde

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